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Diskussionen bei der Podiumsdiskussion

Unter der Leitung von Pfarrer Franz Decker traf sich Ende Mai ein kompetentes Podium, um über die vielfältigen Ansätze von gelungener, aber auch schwieriger Integration in Hürth zu berichten.

Das Gespräch eröffneten vier in Hürth ansässige Flüchtlinge/Migranten, die in berührender Weise ihren Weg vom Heimatland nach Deutschland und ihre Erfahrungen mit Integration gemacht haben. Sie bestätigten, wie wichtig es für sie war und ist, Deutsch sprechen zu lernen, Kontakte zu deutschen Menschen zu haben, sich angenommen und aufgehoben zu fühlen und die Chance zu haben, eine Arbeit zu bekommen. In der Hürther Brücke der Kulturen sind gehören die Vier zu den Männern und Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren und vor allem als Übersetzer und Sprachmittler neu angekommenen Flüchtlingen helfen.

Die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche (Pfarrer Kremer und Diakon Werner) berichteten über die unterschiedlichen Willkommensaktivitäten in den jeweiligen Stadtteilen wie zum Beispiel Freizeitangebote, Begegnungs- und Flüchtlingscafés vor Ort im Stadtteil, die Aktion „Neue Nachbarn“ des Caritas-Verbands, Sprachkurse über das Bildungswerk, gemeinsame Plakataktionen, Angebote für Workshops, „Kirche öffnen für Begegnung, sowie Angebote für Flüchtlinge mit besonderen Talenten, um aus vielen unterschiedlichen kreativen Arbeiten eine Ausstellung zu organisieren.

Beide Kirchenvertreter erzählen vom hohen Engagement ihrer Gemeindemitglieder, Begegnung zu fördern und sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber auch von Schwierigkeiten ist die Rede, dass sich Kontinuität entwickeln kann, wenn Flüchtlinge nicht in Hürth bleiben können, weil beginnende Kontakte durch Wegverteilung zerstört werden.

Herr Menzel als Vertreter der Stadt kennt diese Problematik, weist aber darauf hin, dass die endgültigen Bleibeperspektiven alleine in der Entscheidung der Bezirksregierung Arnsberg liegen. Aufgrund der hohen Zuwanderungsraten im letzten Jahr sei nicht nur die Stadt Hürth, sondern eben auch die Bezirksregierung massiv ge- und vielleicht auch überfordert.

Für die Stadt Hürth zieht Herr Menzel ein recht positives Fazit der Aufnahme- und Integrationsbemühungen: Zurzeit leben 681 Flüchtlinge in Hürth, was bedeutet, dass die Belegungen in den Containern nicht so eng vorgenommen werden müssen, wie einmal befürchtet wurde. Der Stadt ist klar, dass die Unterbringung in Containern kein Dauerzustand sein kann und dass Schaffung von neuem Wohnraum dringend notwendig ist. Dies braucht aber Zeit. Deshalb sollen auch einige Container für Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive zu kleinen Wohnungen umgebaut werden, um die drangvolle Enge für Familien aufzulösen.

Weiterhin berichtet Herr Menzel, dass die Hürther Kitas und Schulen auch Flüchtlingskindern ohne Bleibeperspektive Aufnahme gewähren, so dass Kinder früh dort Deutsch lernen können. Bezüglich der in Hürth stattfindenden Deutschkurse (ehrenamtliche Grund- und Integrationskurse) steht die Stadt Hürth im engen Kontakt mit der HBK. Zusätzlich unterstützt die Stadt über ihre Integrationsbeauftragte Marita Meurer die vielfältigen Arbeiten der Hürther Brücke.

Frau Menzel beschreibt die Arbeit der im letzten Jahr eingerichteten „Integration Points“ des Jobcenters. Einer ist in Brühl. Dieser soll arbeitssuchenden Flüchtlingen und Migranten als Anlaufstelle dienen, in der das Angebot von Sprachförderung und weiteren integrativen Maßnahmen gebündelt wird. Persönliche intensive Beratung der Einzelnen und Kooperation mit Verbänden und Institutionen sollen die Arbeit vervollständigen.

Als Vertreter der Bildungsstätten schildert Herr Herwartz (Direktor der Goldenberg Europakollegs), dass dort große Erfolge im Bereich Sprache, Bildung und Arbeitsvorbereitung bei Flüchtlingen gemacht werden. Derzeit hat das Europakolleg 60 nicht deutschsprachige Schüler in drei Klassen, die vom Kollegium und den anderen Mitschülern als freundlich, höflich und mit einem hohen Bildungswillen ausgestattet erlebt werden. In der Schule können auch Freunde gefunden und neue Kontakte geknüpft werden. Die Schüler werden über Praktika an die Arbeitsweise von Firmen herangeführt und auf die spätere Stellensuche vorbereitet. Herr Herwartz kritisiert allerdings die Wartezeiten von bis zu einem Jahr für BAMF-Deutschkurse usw., da gerade Deutsch-Kenntnisse für die jungen Flüchtlinge von besonderer Bedeutung bei der Stellensuche sind.

Mit dem Handwerk führte Herr Karolus von der Hürther Brücke Gespräche: Einstimmig lautet die Aussage, dass gute Deutschkenntnisse die Voraussetzung für einen späteren Ausbildungs- oder Arbeitsplatz sind. Dann sei das Handwerk gerne bereit, Flüchtlinge einzustellen. Die bereits gemachten Erfahrungen seien durchgehend positiv, nach Praktika wurden Ausbildungsplätze angeboten. In einem Interview des Vorsitzenden des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks sagte dieser, dass das Handwerk durchaus bereit sei, Räume für Qualifikationen von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, um den dringend benötigten Bedarf im Handwerks zu mindern. Dazu seien allerdings Bleibeperspektiven für die Flüchtlinge erforderlich.

In der anschließenden Diskussion gab es viele Anfragen und ernüchternde Berichte bezüglich der Wohnraumsuche von Flüchtlingen. Auf dem freien Arbeitsmarkt haben sie keine Chancen, geförderter Wohnraum steht kaum zur Verfügung, was bedeutet, dass eine Familie mit bis zu fünf Personen in einem Raum leben muss, wie ein Flüchtling von seiner Wohnsituation berichtet.

Kritisiert wird auch die häufig schleppende Bearbeitung der Bleiberechtsanträge von der Bezirksregierung Arnsberg. Ein Flüchtling erzählte, dass er seit 9 Monaten auf seine Registrierungsbestätigung wartet. Ohne diese kann er die Notaufnahme aber nicht verlassen. Ähnliches können die ehrenamtlichen Betreuer berichten. Die Stadt kennt das Problem, hat aber – außer ständigen Nachfragen in Arnsberg – keine Möglichkeit einzugreifen, da diese Entscheidungen im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung liegen. In seinem Fazit dankt Pfarrer Decker für die informative und rege Diskussion und hält fest: Es sind noch viele Herausforderungen zu bewältigen.

Helga Pimpertz